Praxiserfahrungen mit dem Kompaktspinnen
E. Gründig, Spinnerei C.B. Göldner GmbH & Co. KG, Werdau
Bereits seit 2000 wird mit dem Elite-Spinnverfahren in der Spinnerei C.B. Göldner hochwertiges gekämmtes Kompaktgarn aus 100 % Baumwolle, Mittelstapel, in der Feinheit von Nm 30 bis 70 hergestellt. Bisherige Erfahrungen zeigen, dass vor allem in den Webereien und Strickereien hohe Kosten- und Qualitätsvorteile entstehen.
Vorbemerkung
Im Mittelpunkt der bisherigen Entwicklung von Verdichtungsgarn standen in Baumwollspinnereien vor allem feine gekämmte Garne für Webereien. Das spiegelt sich auch in den veröffentlichten Uster Statistic 2001 für Kompaktgarn wider.
C. B. Göldner als Hersteller von hochwertigen Garnen aus Baumwolle, Mittelstapel, beschäftigte sich seit 1998 mit den am Markt und in der Entwicklung befindlichen Verfahren zum herstellen von Verdichtungsgarnen. In den Vorbereitungen der Investition für die Spinnerei 2 wurden umfangreiche praktische Tests auf Versuchsmaschinen bei den Maschinenherstellern und in der eigenen Spinnerei durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt bot das auf der ITMA 1999 vorgestellte Elite-System die meisten Verfahrensoptionen für das Verarbeiten von Baumwolle, Mittelstapel. Diese Möglichkeiten wurden gemeinsam mit dem Maschinenhersteller wahrgenommen [1].
Elite = eingetragenes Warenzeichen
Anwendungserfahrungen
Bereits seit Juli 2000 wird mit dem Elite-Spinnverfahren in der Spinnerei C. B. Göldner hochwertiges gekämmtes Kompaktgarn aus 100 % Baumwolle, Mittelstapel, in einem Feinheitsbereich von Nm 30 bis 70 hergestellt. Der Einsatz der Garne erfolgt in Webereien und Strickereien. Gegenüber konventionellen Ringgarnen ergeben sich bekannten Veränderungen in der Garnqualität, wie
- Erhöhung der feinheitsbezogenen Höchstzugkraft
um 1 bis 2 cN/tex,
- Reduzierung der Haarigkeit (Uster Tester 4) insgesamt und besonders der Langhaarigkeit nach Zweigle (S3-Wert),
- Bessere Gleichmäßigkeit
- Verbesserung der IPI-Werte (speziell Dickstellen und Nissen)
Die Bilder 1-4 verdeutlichen die Vorteile am Beispiel von Nm 50 gekämmt, Kette (Spulenwerte).

Bild 1 Feinheitsbezogene Höchstzugkraft

Bild 2 Äußere Ungleichmäßigkeit

Bild 3 Haarigkit Uster (UT 4) und Zweigle (S3-Wert)

Bild 4 Dickstellen (+50%) und Nissen (+200 %)
Aus den Uster Statistics 2001 100 % Baumwolle, gekämmt (Kompaktgarn) können bei entsprechender Erfahrung die Werte für Mittelstapel abgeleitet werden.
Eine wichtige Erfahrung ist, dass durch die höhere Gleichmäßigkeit kleinste Schwachstellen im Garn stärker sichtbar werden. Gleiches gilt auch für Fremdfasern. C.B. Göldner hat daher begleitend für dieses Garn umfangreiche Investitionen getätigt und sich inzwischen ein Know - how für die Ausreinigungstechnologie sowie die statistische Qualitätskontrolle auf diesem Gebiet erarbeitet.
Es hat sich besonders gezeigt, dass eine viel engere Abstimmung zwischen Anwender und Spinnerei erforderlich ist, als bei konventionellen Ringgarnen.
Auch der Spulprozess musste aufgrund der Anwendungserfahrungen erheblich überarbeitet werden. Für die Hersteller von Spulmaschinen haben sich daraus neue Aufgaben ergeben. Das ist die Anpassung der Spleiße an die Beschaffenheit der neuen Garnstruktur, die Möglichkeiten zur Feineinstellung beim Spleißen und beim Spulenaufbau.
Es hat sich erwiesen, dass die auftrags- und kundenbezogenen Einstellungen, besonders Feineinstellungen, anstelle mechanischer noch mehr elektronischer gesteuerter Elemente erfordern, um für Folgeaufträge reproduzierbare Ergebnisse zu bekommen.
Der Aufwand für Wartung und Pflege der Maschinen in der Spinnerei ist insgesamt höher als bei konventionellen Ringspinntechnologie und muss stärker auf das jeweilige auf die Maschine gelegte Fertigungsprogramm abgestimmt werden. Das bedeutet, in Abhängigkeit von der Garnfeinheit, 9 bis 12 % höhere Fertigungskosten als für konventionell hergestellte Ringgarne.
Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass vor allem beim Weiterverarbeiten in den Webereien und Strickereien hohe Kosten- und Qualitätsvorteile beim Einsatz von CBG COM-PACT-Garnen entstehen. Das sind
in der Weberei
- Einsparung von Schlichtemittel bei der Kettherstellung von ca. 15%,
- Reduzierung von Kett- und Schussfadenbrüchen um ca. 5%,
- Erhöhung des Nutzeffektes an der Webmaschine bis zu 2 %,
- Weniger Faserflug,
- Höhere Schusseintragsgeschwindigkeiten,
in der Strickerei
Reduzierung von Abrieb, Staub und Faserflug und damit weniger Putzaufwand,
- Weniger Nadelbrüche
- Weniger Fehler im Gestrick
In der Veredlung sind beim Färbeprozess im Vergleich zu Flächengebilden aus konventionellen Ringgarnen keine wesentlichen Unterschiede im Farbstoffverbrauch aufgetreten.
Im Endprodukt ergeben sich folgende Vorteile: Gewebe haben eine höhere Weiterreißkraft, klarere Bindungsstrukturen, höhere Brillanz und präzisere Kanten beim Druck, bessere Scheuerfestigkeit sowie verbessertes Pillingverhalten, besonders im Langzeitgebrauch.
Bei der Markterschließung hat die C. B. Göldner festgestellt, dass in einigen Fällen, Kompaktgarne anstelle konventioneller Ringgarne mit der verbreiteten aber falschen Meinung eingesetzt werden, dass das teurere Produkt immer und in jeder Hinsicht das besserer Produkt sein muss. Das trifft nicht zu. So sind z. B. Gewebe, von denen eine niedrige Luftdurchlässigkeit gefordert ist, günstiger mit konventionellem Ringgarn zu fertigen. Auch bei manchen Maschenkonstruktionen ist die Optik beim konventionellen Ringgarn gleichmäßiger.
Jeder Anwender sollte daher die objektive Beratung durch seinen Spinner suchen.
C. B. Göldner hat sich deshalb bewusst dafür entschieden, beide Technologien nach wie vor anzubieten, da auch konventionelle Ringgarne ihren Markt haben und behalten werden.
Zusammenfassung
Das neue Spinnverfahren hat nach Ansicht der Spinnerei C. B. Göldner GmbH & Co KG die Ringspinntechnologie auf ein neues Qualitätsniveau gehoben und wird sich auf Dauer im Markt durchsetzen. Die konventionelle Ringspinntechnologie wird dagegen zurückgedrängt, aber im Markt weiterhin Bestand haben. Die Märkte für Kompaktgarn und konventionelles Ringgarn werden nie so scharf abgegrenzt sein, wie das bei OE- und Ringgarn eingetreten ist. Es wird mehr Überschneidungen der Anwendungsgebiete geben.
[1] Kampen, W., Melliand Textilber. 83 (2002), 405-408
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